Dafür haben wir jetzt leider keine Zeit: Vier Veranstaltungen zum Themenfeld Feminismus

Geschlecht

Making Sex: Auch biologisches Geschlecht ist gesellschaftlich gemacht
„Ist es ein Junge oder ein Mädchen?“ ist nach der Geburt die erste Frage, die immer wieder gestellt wird. Können die Eltern darauf keine Antwort geben, so herrscht betretenes Schweigen, wird das Thema gewechselt. Das Kind beginnt erst so richtig in unserer Gesellschaft zu existieren, wenn es mit einem von zwei Geschlechtern aufwarten kann – ein Zustand nachdem Justiz, Medizin und „gesellschaftliche Moral“ einem jeden Menschen trachten.

Ganz selbstverständlich nehmen wir auch für uns in Anspruch, Menschen nach dem Geschlecht unterscheiden zu können. Wir erkennen sie an Kleidung, beruflicher Qualifikation (der Chef ist niemals eine Frau), seltener durch einen Blick auf die kulturell so aufgeladenen Genitalien. Bart, übrige Körperbehaarung, Hüfte, Brustumfang sind da schon legitimer als deutlich zugewiesene Merkmale, nach denen wir gelernt haben, einen Menschen nach „Mann“ und „Frau“ sicher einzuordnen. Unter Berufung auf „natürliche Unterschiede“ werden auch immer wieder gesellschaftliche Ungleichbehandlungen und Diskriminierungen gerechtfertigt.
Aber: Was ist „natürlich“ an Geschlecht? Gibt es biologisch zwei Geschlechter – oder haben wir das nur in der Schule so gelernt? In diesem Input und Diskussion wird der Ausarbeitung von „biologischem Geschlecht“ in den sich herausbildenden „modernen biologisch-medizinischen Wissenschaften“ seit dem 17. / 18. Jahrhundert bis heute nachgegangen. Bei den aktuellen biologischen Geschlechtertheorien wird offensichtlich, dass sich eine Interpretation dass es viele Geschlechter geben muss geradezu aufdrängt.
Montag, 23.9.2013 – 19 Uhr – Kulturhaus Taranta Babu

Buchvorstellung „Fantifa“

[Beschreibung]

Teile des Herausgeber_innenkollektivs lesen aus dem
Buch “Fantifa. Feministische Perspektiven antifaschistischer Politiken”.

Feministische Antifa oder Frauen-Antifa Gruppen entstanden in den frühen
1990er Jahren, meist als Reaktion auf einen fortgesetzten Sexismus in
männlich dominierten Antifa-Zusammenhängen. Heute gibt es nur noch
wenige solcher Fantifa-Gruppen und auch in der antifaschistischen
?Geschichtsschreibung? spielen sie kaum eine Rolle. Das Buch ?Fantifa.
Feministische Perspektiven antifaschistischer Politik? will das ändern.
Es geht den Spuren nach, lässt Aktivistinnen zu Wort kommen, beleuchtet
aktuelle feministische Antifa-Arbeit, erläutert inhaltliche
Schwerpunkte, fragt nach, was aus Fantifa-Gruppen wurde, eröffnet einen
Blick auf die Möglichkeiten männlicher antisexistischer Handlungsräume
und diskutiert die fortgesetzte Notwendigkeit feministischer
Perspektiven in antifaschistischer Politik.
Interviews mit Aktivistinnen werden ausführlich durch das
Herausgeber_innenkollektiv eingeführt und durch Originaldokumente
illustriert. Die vergangenen und aktuellen Debatten um Feminismus,
Antisexismus und Antifaschismus sollen so zusammengebracht werden.
Montag, 14.10.2o13 – 19 Uhr – Kulturhaus Taranta Babu

Von feministischen Reitpeitschen und Blumenkränzen

Von feministischen Reitpeitschen und Blumenkränzen Pussy Riot, eine sich als feministisch verstehende Performance-Gruppe in Russland, und Femen, eine internationale “Frauenbewegung” mit ukrainischen Ursprüngen, haben in letzter Zeit öffentlich viel Aufsehen erregt – siehe z.B. das „Punk-Gebet“ von Pussy Riot und deren darauf folgende Inhaftierung oder Femen‘s nacktbrüstiger Angriff auf Putin. Es gab weltweit sowohl Solidarisierungen als auch Kritik an Auftreten sowie Aussagen der Gruppen. Jedoch kommt medial immer nur ein stark vereinfachtes, inhaltsreduziertes Bild rüber. Wer sind denn nun eigentlich Pussy Riot bzw. Femen? Wo lassen sie sich historisch-gesellschaftlich verorten? Wie sind sie jeweils organisiert? Welche Bilder werden erzeugt und welche Folgen haben diese? Wie beschreiben sie sich selbst und welche Positionen vertreten sie? Inwiefern sind diese oder jene als feministisch zu bezeichnen? Wie kann feministische Praxis heute aussehen? Input von der Gruppe e*vibes mit anschließender Diskussion.

Die inhaltliche Schwerpunktsetzung ist den Interessen der Anwesenden anpassbar.
Montag, 11.11.2013 – 19 Uhr – Ort wird noch bekannt gegeben

Filmvorstellung: Die Katze wäre eher ein Vogel

Vier intersexuelle Menschen erzählen von ihren Erfahrungen, Gedanken und Gefühlen.
Was bedeutet die Infragestellung des Geschlechts, einer der wichtigsten Identitätsgrundlagen in unserer Kultur; sie erzählen von Fremdheit im eigenen Körper und Fremdheit in der Gesellschaft, die damit einhergehende Tabuisierung und zwanghafte Anpassung an die heterosexuelle Norm durch schwerwiegende Eingriffe in die (körperliche) Integrität eines Menschen; keine Möglichkeit sich auszudrücken, weil man schnell an Sprach- und Wissensbarrieren stößt und gleichzeitig die Sehnsucht nach Wahrnehmung und Anerkennung.
Doch wo liegt das eigentliche Problem?

Dieses dokumentarische Experiment will keinen Versuch machen, das medizinisch-biologische „Phänomen“ Intersex zu erklären. Mediziner/Innen werden in diesem Film nicht zu Wort kommen; ebenso wenig werden Bilder von „uneindeutigen“ Genitalien zu sehen sein .

Es geht darum, das Thema Intersex von einer anderen Seite zu betrachten, nicht von der Seite der Medizin, die noch immer die Macht der Kategorisierung innehat, von der alle Begrifflichkeiten pathologisierend geprägt sind und die die intersexuellen Geschlechtsvariationen zum Objekt wissenschaftlicher Untersuchungen macht .
Montag, 9.12.2013 – 19 Uhr – Ort wird noch bekannt gegeben

Auf den Veranstaltungen wird es einen feministischen Infotisch und eine kleine Küfa (Küche für alle) geben.
Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt, sprecht uns gerne an oder schreibt an diebande[ät]riseup.net.

Auf unseren Veranstaltungen dulden wir keinen Sexismus, Rassismus, Ableismus oder andere reaktionäre, menschenverachtende Äußerungen. Personen, die rechtsradikalen Parteien oder Organisationen angehören oder der rechten Szene zuzuordnen sind, ist die Teilnahme an unseren Veranstaltungen untersagt.


2 Antworten auf „Dafür haben wir jetzt leider keine Zeit: Vier Veranstaltungen zum Themenfeld Feminismus“


  1. 1 Mädchenmannschaft » Blog Archive » Nervige Gleichberechtigung, gläserne Decken, geschlechtsneutrale Menstruationskalender – kurz notiert Pingback am 03. Oktober 2013 um 21:31 Uhr
  2. 2 Fantifa | Edition Assemblage Pingback am 15. Oktober 2013 um 16:48 Uhr
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